#SchubladenDenken

von | 2. Jan 2020 | Allgemein, Hypnose und Persönlichkeitsentwicklung

#Schubladendenken

Für die meisten Menschen ist es ganz normal, in klaren und getrennten Strukturen zu denken. Wenn jemand anders denkt als wir, wirkt es oft unlogisch und sorgt nicht selten für Verwirrung.

Weiterhin gehört zum Beispiel die Rechnung vom neuen Esstisch, nicht zum Schreiben vom Finanzamt. Wir trennen Socken, T-Shirts, Hosen und diese wiederum von unserem Essen.

Etwas abstrakter gesprochen, wir haben Schubladen für alles, nicht nur materielles.

Wenn wir ganz weit in unserer Evolution zurückschauen, ist die Sprache Herkunft dieses Verhaltens. Jedes Wort hat für uns eine Bedeutung und bildet somit Verknüpfungen in unserem Verstand.

Bedeutung der Sprache

Damit Menschen sich verstehen oder besser zusammenarbeiten können, tauschen sie sich wir uns enorm viel darüber aus, was für Assoziationen zu Begriffen, Erlebnissen und Wahrnehmungen existieren. Doch jeder Mensch hat nicht nur verschiedene Bedeutungen, sondern auch komplett unterschiedliche Denkvorgänge um zum Ergebnis zu kommen.

Wie oft hast du schon erlebt, dass jemand zu dir sagte „Ja, ich weiß was du meinst“ und im weiteren Gespräch wurde klar – beide hatten komplett unterschiedliche Vorstellungen.

Generell sind feste Schubladen enorm wichtig, damit das Zusammenleben der Menschen funktioniert. Unsere Gesellschaft braucht diese Strukturen um in der größeren Masse „geregelt“ zu leben. Viele behaupten, sonst würde absolutes Chaos herrschen – da bin ich mir unsicher, doch dies ist ein anderes Thema.

Aber geh doch morgen mal zum Finanzamt und beschwer dich dort, dass dein neuer Mixer zu laut ist. Ich mag den Gedanken, da der Mixer ja wahrscheinlich auch Geld gekostet hat, doch vermute ich gleichzeitig, der oder die Finanzamt Beamte wird etwas verwirrt auf diesen Besuch reagieren.

Gerade bei Behörden wird absolut strikt getrennt. Hier ist alles fest definiert, wer hat welche Aufgaben und Verantwortung. Beamte werden dabei dazu gedrillt, nur in diesen festen Strukturen zu denken. Das vorhandene System anzuzweifeln oder seine „Kompetenzen zu übersteigen“ wird förmlich bestraft.

Früh übt sich

Die strikte Trennung beginnt bereits in der Schule. Auch hier wird alles in einzelne Boxen unterteilt – am offensichtlichsten sind unsere Schulfächer. In Mathe wird typischerweise kein Englisch gesprochen. Doch was würde denn passieren, wenn wir alleine nur die Zahlen plötzlich in einer anderen Sprache aussprechen und auch noch in dieser Sprache „rechnen“?

Witzigerweise arbeitet das menschliche Gehirn im „Standard“ ohne Schubladen – es wird uns erst anerzogen. Anders gesagt, dies ist über die Jahrzehnte, gar Jahrtausende so entstanden und doch waren die vergangenen ca. 100-200 Jahre sehr prägend.

Soweit wir es heute behaupten können, bildet ein Gehirn kreuz und quer Verbindungen. Dabei werden Synapsen gebildet oder auch neuronale Verbindungen genannt. Ob die Informationen dann wirklich im Menschen gespeichert werden oder von wo anders abgerufen… da sind wir uns schon nicht mehr so sicher.

Jedenfalls entwickelt unser Gehirn bereits in frühen Jahren ein riesiges Netzwerk, ähnlich wie ein Spinnennetz mit Knotenpunkten – nur in mehr Dimensionen. Um diese Kontenpunkte ziehen wir, umso älter wir werden, künstliche Mauern – unsere Schubladen.

Wie bereits erwähnt, sind diese Schubladen für unser Zusammenleben sehr wichtig, aber wir übertreiben dies heute maßlos!

Tragischerweise trennen wir auch in der Forschung, in den meisten Unternehmen und vor allem in der Politik so drastisch. Schubladen verlassen ist nicht erwünscht – die Industrie versucht dies zwar an manchen Stellen aufzulösen, doch ist die Struktur zu Denken bei vielen tief verankert.

Der berühmte Tellerrand

Wenn wir eine Lösung für ein Problem finden wollen, wird gerne gesagt „du musst über den Tellerrand hinausschauen“. Was wir damit meinen ist nur, die Schubladen weg zu lassen und die Vermischung von Themen zuzulassen.

Um diese Vermischung zu ermöglichen, werden dann oft Experten unterschiedlicher Schubladen zusammengebracht, um so einen neuen Blickwinkel zu erhalten. Schöner Ansatz und meist scheitert dieser wieder an den unterschiedlichen Denkweisen.

Bei einer neuen Idee wollen so viele Menschen sofort das „Warum“ wissen. Also wird nachgefragt und die folgende Erklärung muss logisch und verständlich sein. Nur dann werden neue Blickwinkel überhaupt zugelassen (ganz zu schweigen von den Verweigerern der Veränderung).

In Bezug auf die Interaktion zwischen Menschen ist dies im Detail noch etwas differenzierter zu betrachten. Wirklich fatal finde ich, dass wir diese Angewohnheit oft auch uns selbst gegenüber antrainiert haben!

Logik vs. Lösung

Wir wollen unsere eigenen Ideen, genauso wie die anderer, immer sofort nachvollziehen können. Wenn diese keinen direkten Bezug zu unserem Problem haben oder wir nicht sicher sind dass es funktionieren wird, blockieren wir.

Entweder grenzen wir ein „gehört nicht zum Thema, dafür bräuchte ich…“ oder wir werten ab „das ist doch Unsinn, so ein Blödsinn, wie soll das denn gehen?“

Doch unser Unterbewusstsein, als auch unsere Intuition, liefern uns oft Ansätze die wir auf den ersten Blick nicht direkt einordnen können. Wir geraten immer ins straucheln, wenn unser vorhandenes Sortiersystem nicht mehr passt. Dann fangen wir an umzusortieren und neue Schubladen aufzumachen.

Der ständige Abgleich zu unseren Schubladen hindert uns oft am Finden wirklich neuer und meist leichterer Lösungen.

Loslassen der Kontrolle

Lass es mich an dieser Stelle etwas abkürzen.

Wir dürfen wieder lernen, auf das zu vertrauen was in uns aufsteigt. Schranken auf und raus aus diesen Restriktionen. Gleiches gilt für die Impulse anderer – hier hinderten uns oft unsere Bewertungen.

Wie? Oh, da habe ich noch keine pauschale Antwort, frag mich doch einfach noch mal persönlich… individuelle Ansätze habe ich viele…

Und falls du diesen Satz noch nicht kennst, hier eines meiner wichtigsten Erkenntnisse zu diesem Thema:

Das „Warum“ und eine Begründung brauchst du nur für andere.

Müsstest du dich nicht rechtfertigen, brauchst du auch kein Warum um deine Intuition zu folgen.

Wir ALLE tragen Fähigkeiten in uns, die unsere Vorstellungen bei weiten übertreffen.

Es muss nicht immer alles bleiben wie es war, um gut zu werden. Es wäre vermessen zu erwarten, dass unser striktes Denken und Handeln nach Schubladen, von einen Tag auf den anderen Tag völlig verändert wäre.

Beginne einfach dir selbst wieder mehr zu vertrauen und lebe die Freude des freien Denkens, weil du intuitiv schon so vieles leicht gelernt hast!

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