Mich selbst annehmen wie ich bin

von | 6. Jun 2020 | Persönlich

In den vergangenen Tagen bin ich mal wieder an einem für mich schmerzhaften Thema vorbei gekommen, welches kognitiv schwer verständlich ist.

Die Frage lautete: Nehme ich mich so an, wie ich bin?
(traue ich mich so zu sein, wie ich bin? – und das auch nach außen zu zeigen?)

Vorweggenommen, die Antwort lautete spontan: Nein!

Ich habe mich darüber unterhalten, warum es mir bisher so schwer viel, mich mit meinem Business als Selbstständiger zu identifizieren. In den letzten zwei Jahren habe ich gerne mal meine Richtung geändert, bevor ich wirklich gestartet bin!

Identifikation -> Entscheidung

Der Ursprung führt an vielen Wegen vorbei und einer davon lautet, dass ich mich nie wirklich entschieden habe. Eine Entscheidung bedeutet für mich die absolute Identifikation damit und dadurch auch Verantwortung.

Entscheidung -> Verantwortung

Ich trage gerne Verantwortung und damit verbundene Aufgaben, doch ist es für mich unbeschreiblich wichtig, dass ich auch hinter dem stehe, wofür ich stehe. Anders formuliert, dass ich davon überzeugt bin!

Verantwortung -> Überzeugung

Ich höre von allen Seiten immer nur, dass ich nur eine Sache machen darf, um damit erfolgreich zu werden. Diese Einschränkung schnürt mir förmlich den Hals zu, es fühlt sich an, als müsste ich eine  Entscheidung für mein restliches Leben fällen.

Überzeugung -> Fokus

Ja es stimmt, ich brauche Fokus, um etwas erfolgreich zu machen, um Momentum für eine Sache, Aufgabe oder Unternehmung zu gestalten. Auch zeigt meine Erfahrung – wie es auch so viele behaupten -, ich habe keine Zeit für alles.

Fokus -> Erwartung

Gerade da ich einen sehr hohen Anspruch – an förmlich alles, was ich mache – habe, vergehen schnell viele viele Stunden und zack, ist es wieder Abend. Ich habe viel gemacht und komme mir trotzdem vor, als wäre ich keinen Schritt weiter gekommen.

Erwartung -> Stress

Durch diesen Druck des Fortschrittes, des sichtbaren Ergebnisses, vergeht mir schnell die Lust an Aufgaben und schließlich auch an ganzen Vorhaben. In den vergangenen Jahren vor allem an meinen Unternehmen bzw. den Unternehmenszwecken.

Ich möchte immer bereits im Endergebnis sein, im perfekten Zustand und den Weg der Entwicklung dabei auslassen. Dieser Stress sorgt dafür, dass ich keine Freude mehr an der Aufgabe hatte und mir dann Gründe erfunden habe (natürlich brillante Gründe), warum ich damit wieder aufhören sollte.

Wie war das als Angestellter?

Was mir in den vergangenen Wochen wieder sehr deutlich wurde ist, dass ich es als Berater geliebt habe, alle paar Wochen oder spätestens Monate, neue Aufgaben zu haben. Oft habe ich zwar gejammert, weil ich plötzlich Projekte zu Themen machen sollte, die ich noch nie gehört habe, doch war es genau das, was mich immer wieder reizte. Ich konnte dadurch meine Stärken wirklich ausspielen und gleichzeitig habe ich über den Erfolg meine Freude gezogen.

Ich lerne extrem schnell und bin super gut im Einnehmen von verschiedenen Blickwinkeln auf ein Thema und Finden neuer, kreativer Lösungen. Da wird mir immer das gleiche Thema schnell langweilig..

Frust entstand dabei hauptsächlich durch meinen Anspruch, immer perfekt zu sein (also wieder die „Erwartung“). Ich wollte das Bild zu meiner Rolle ausfüllen können und so immer als Experte dastehen.

Eine Rolle spielen, um Erwartungen zu erfüllen

Das Tragen von „Rollen“ als Angestellter hat mir geholfen, gewisse Themen, die ich gerade für mich auflöse, zu verdecken – sie runter zu drücken. Durch die Rolle musste ich nie wirklich – nie voll und ganz – zeigen, wer ich bin.

Ich habe auch schon immer Small-Talk gehasst: ich sollte meine Meinung zu etwas geben – da heißt es plötzlich, meine persönliche Sicht zu geben. Im Berufkontext war das alles easy, da konnte ich meine „fachliche Meinung“ meistens auf Erfahrung oder Aussagen von Herstellern basieren.

Bei meiner persönlichen Meinung bestand allerdings die Gefahr der Zurückweisung, dass mich jemand nicht versteht, anderer Meinung ist und mich dann dafür auslacht, verurteilt oder sogar „an den Pranger“ stellt.

Das eigene Unternehmen – plötzlich ICH

Ähnlich ging es mir nun mit dem eigenen Unternehmen, ich habe nur noch meine eigene Aussage, meine persönliche Erfahrung – puh, da ist sie wieder, die alte Angst… ich konnte mich doch so gut vor ihr verstecken!

Der Kontext „Menschen, die mich bereits kennen“ intensiviert das Ganze deutlich. Wenn es nur Fremde sind, welche ich idealerweise auch nicht in Persona treffe, ist das wiederum weniger schlimm.

Das habe ich mir vor Kurzem sogar selbst „vorgeführt“, ohne es zunächst bewusst wahrzunehmen. Ich habe ein neues Unternehmen gestartet und dafür einen völlig neuen Nutzerkreis angesprochen.

Anonymität im Internet

Ein neuer Instagram Account und bis auf einen Post auf Facebook, keinerlei Werbung in meinem bisherigen Umfeld von Menschen. Ich hatte eine Ausrede, es geht dabei um Gaming und ich habe einfach mal pauschal behauptet, in meinem aktuellen Freundeskreis gibt es dafür keine Kunden.

Auf einmal fiel es mir viel leichter, mich dort zu präsentieren und Posts zu machen.

Früher dachte ich immer, ich wäre introvertiert; nicht in der Lage, mich vor Menschen zu zeigen und so weiter.. Die Wahrheit, ich bin ziemlich extrovertiert, hab nur Angst vor Zurückweisung! Dahinter steht dann auch noch die Angst, nicht genug zu sein..

Doch was steckt dahinter, dass ich mit dem neuen Vorhaben mich nicht überall zeigen möchte?

Es geht wie bereits erwähnt um Gaming (wer genaueres wissen will www.gaming-sound.de – der Inhalt ist hier wenig relevant, wenn auch revolutionär :D) und da habe ich eine persönliche Vergangenheit.

In meiner Jugend habe ich irgendwann sehr viel PC gespielt und da ist etwas noch unaufgelöst gewesen. Auch wenn ich mich für die ganze Technik dahinter interessiert und darauf eine erfolgreiche Berufslaufbahn aufgebaut habe, ist die IT eine Schattenseite meiner selbst.

Heute sind Gamer teilweise Stars, werden gefeiert und verdienen nicht selten Millionen. Für viele Kids ein erstrebenswerter Beruf, ob nun als Streamer oder professioneller eSportler. In meiner Zeit waren das alles noch Nerds – Kellerkinder.

In Bezug auf das Gaming Thema gibt es zwei Seiten und mit dem bewussten Annehmen dieses Teils von mir, kommen erwähnte alte Muster wieder hoch.

Das Klischee und die vermutete Bewertung lösen Sorgen in mir aus. Auf der anderen Seite habe ich durch diese Lebenszeit sehr viel gelernt, Talente entwickelt und vor allem mega viel Freude gehabt! Und dazu war ich in vielen Spielen auch noch echt gut!

Und so schließt sich der Kreis auf die Frage am Anfang

– Ich nehme mich so an, wie ich bin –

Von klein auf habe ich gehört „was sollen die anderen denn nur denken / sagen?“.
Rein kognitiv kann ich diese Frage heute nur beantworten mit: „was sie wollen!“

Warum sollte ich mir durch Entscheidungen der Vergangenheit den Augenblick im Hier und Jetzt verwehren?

Da kommt mir der Postkartenspruch „meine Vergangenheit macht mich zu dem, was ich heute bin“, ist schön und löst für mich das Thema nur bedingt – den spür ich nicht.

Meine Entscheidung: Ich höre auf, in der Vergangenheit zu leben und etwas Komisches in der Zukunft zu „beschwören“.

Ich bin jetzt und hier und alles was mir im Jetzt und Hier nicht gefällt, kann ich ändern! Nicht meine Vergangenheit macht mich aus, sondern so wie ich jetzt bin, so wie ich heute bin – jeden Tag auf ein Neues.

Wieso fällt es dann manchmal noch so schwer, dazu zu stehen wie ich bin?

In meiner Welt: die projizierte Außenmeinung. Was ich glaube, was andere Menschen denken würden und eventuell denken hätten können.

Doch im Kern geht es dabei gar nicht um die Anderen, sondern nur um meine Balance im Inneren. Spielt mein Gedankenkarussell Achterbahn oder herrscht Frieden und Ruhe in meinem Verstand?

Wie ich meinen Kopf ruhig bekomme?

Ich meditiere, erde mich viel und lenke meinen Verstand immer mehr auf den Augenblick – das Jetzt.

Kann ich mich jetzt also annehmen?

Es wird von Tag zu Tag besser und es fühlt sich an, als wenn dort noch etwas auf dem Weg liegt. Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein Weg, welcher bisher wie ein kleiner Trampelpfad ist, kaum zu sehen und der noch öfter gegangen werden muss, bis er für immer sichtbar bleibt.

1 Kommentar

  1. Es ist eine Reise, bitte mit leichtem Gepäck. Du schaffst das, lass uns bitte an diesem „Ride“ teilhaben

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