#Hochsensibel

von | 16. Jan 2020 | Persönlich

#Hochsensibilität

Ich bin hochsensibel und hochsensitiv, wofür ich heute sehr dankbar bin! Bis vor wenigen Jahren sah das noch ganz anders aus. Genauer gesagt habe ich alle damit verbundenen Fähigkeiten und Gaben gerade in meiner Jugend und auch später versucht, völlig zu unterdrücken.

Den Umgang mit mir selbst habe ich viel über NLP gelernt und erst im letzten Jahr habe ich überhaupt die beiden Begrifflichkeiten wirklich kennengelernt.

Schon vor einigen Jahren hat mir ein sehr guter Freund das Buch mit dem Titel „Die Berufung für Hochsensible: Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch“ nahegelegt (absolut empfehlenswert auch für nicht Hochsensible – Link zu Amazon).

Doch das Buch lag noch zwei Jahre in meinem Schrank, hatte es oft in der Hand, wollte es lesen und doch habe ich es wieder weggelegt. Hochsensibel, was soll das schon sein? Ja, ich bin etwas empfindsamer, aber der Begriff klang für mich einfach nur wie eine Erklärung für „weinerlich“ sein.

Irgendwann im Jahr 2018 war ich dann soweit. Ich habe die ersten Seiten des Buches gelesen und es passierte etwas, dass ich vorher noch nie erlebt habe. Dieses Buch habe ich in weniger als 48 Stunden komplett verschlungen. Es war, als hätte mich jemand beobachtet und meine Lebensgeschichte in einem Buch niedergeschrieben (witzigerweise berichten viele Leser gleiches Erleben).

Mir kam es immer vor, als wäre nur ich alleine so anders, als würde nur ich nicht in das Netz der Gesellschaft passen.

Doch was bedeutet das Ganze denn nun? Was steckt dahinter? Wie ging es mir früher und wie geht es mir heute?

In diesem Artikel werde ich nur über eine Eigenschaft schreiben. In den kommenden Tagen wird auch noch ein allgemeiner Artikel über diese Thematik folgen.

Hochsensible Wahrnehmung

Ein etwas schwierigerer Bereich der Hochsensibilität war für mich meine Wahrnehmung.

Auf der einen Seite bekomme ich sehr genau mit, was um mich herum passiert – ob sich jemand bewegt, wenn jemand spricht und vor allem, wie es den Menschen um mich herum geht. Das Ganze geht soweit, dass ich spüre, wie die Stimmung in einem Raum ist, sobald ich diesen betrete.

Wie immer beim Thema Wahrnehmung, jeder Mensch hat da so seine individuellen Ausprägungen. Für mich sehr intensiv ist das Feedback der Personen, mit welchen ich mich unterhalte oder welche z.B. in einer Gruppe mit mir am Tisch sitzen. Ich bekomme sehr genau mit, wie die Reaktionen auf Sätze sind.

Konkret gesprochen, wenn ich etwas sage und mein Gegenüber anderer Meinung ist, nicht versteht was ich meinte oder auch einfach nur interessiert zuhört, jede Nuance ist für mich wahrnehmbar. Wenn ich also etwas sage, dass mein Gegenüber verstimmt, ungeduldig macht oder sogar erbost, ist dies für mich sehr deutlich spürbar.

Diese Eigenschaft hat mir früher sehr zu schaffen gemacht, bis hin dazu, dass ich ungern mit anderen und vor allem fremden Menschen gesprochen habe. Noch heute gehört es definitiv nicht zu meinen Hobbies, belanglos neue Leute kennen zu lernen.

Warum? Sie könnten Fragen stellen, die ich nicht beantworten kann, ich könnte etwas sagen, dass sie nicht mögen und das Feedback davon würde intensiv in mir schmerzen – fast schon wie ein Messerstich. Wenn ich das so schreibe, klingt das völlig übertrieben und entspricht schlicht weg Tatsachen. Dahinter steckt ein Drang nach Harmonie…

Die Konsequenz war früher, dass ich versucht habe, zu zu machen, mich und vor allem andere nicht mehr spüren zu müssen. Gerade in meinem Job als Berater war dies enorm wichtig, denn ich musste berufsbedingt mit anderen sprechen und teilweise auch über unangenehme Themen. Also habe ich gelernt, mich zu dissoziieren, wurde vom Verstand gesteuert und habe alles an Emotionen unterdrückt.

Die Folgen – ich wurde oft krank, nur wenige kannten mich wirklich noch offen, witzig und frei – ich wusste ja selbst nicht mehr, wie das geht. Eines, das mir extrem geholfen hatte, war das Einnehmen und Spielen von Rollen. Wenn ich eine Aufgabe oder Verantwortung hatte, konnte ich mit jedem reden, denn ich wusste, wie das Ergebnis zu sein hat und was von mir erwartet wird.

Doch dabei war ich alles, nur nicht mehr ich – alles war irgendwann nur noch eine Rolle – der Berater, der Partner, der Freund und so weiter…

Individualität – ich komme!

Als ich beschlossen habe, keine Rollen mehr spielen zu wollen, war erst einmal Leere und damit stieg mein Interesse für das Thema Persönlichkeitsentwicklung. Über diese lernte ich wieder, es ist mehr als okay, so zu sein wie ich bin – mit allen Ecken und Kanten.

Doch erst über das Entdecken der Thematiken Hochsensibilität und Hochsensitivität (darüber schreibe ich wohl noch mal einen anderen Artikel), konnte ich die volle Kraft meiner Fähigkeiten wieder vollkommen annehmen. Ich bin damit nicht alleine und es ist eine Gabe, keine Krankheit.

Heute liebe ich es, meine Fähigkeiten in der Wahrnehmung immer noch mehr und mehr auszuleben und zu trainieren. Ob im Coaching und vor allem in Trainings: jedes Signal, das ich mehr mitbekomme hilft mir, Menschen noch leichter zu helfen.

Auch in normalen Gesprächen, Treffen mit Freunden oder der Familie kann ich meine Wahrnehmung heute genießen, ich brauche dabei einfach nicht mehr auf jeden Impuls reagieren – ich darf einfach wahrnehmen, ohne zu bewerten.

Es gibt noch so viel mehr zum Thema Hochsensibel, was in mir steckt und erzählt werden will… Doch genug für heute…

Wie ich im vergangenen Jahr lernen durfte, gibt es sehr viele Menschen, welchen es ähnlich ergeht und erging wie mir. Statistiken sprechen von ca. 15- 20% der Menschheit, die hochsensibel sind – diese Beobachtung trifft sogar auf das Tierreich zu.

Ich freu mich schon jetzt, bald mehr dazu zu schreiben – interessierts dich? Dann gib mir gerne Feedback und vor allem Fragen… ich freu mich, dir meine Sichtweise berichten zu dürfen.

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